200 ehemalige illegale Deponien in der Westschweiz saniert

Das Vorhandensein von ehemaligen Wilddeponien in der Natur ist eine traurige und gefährliche Realität, die vom Schweizerischen Institut für Höhlenforschung und Karstologie (ISSKA) angegangen wurde. In den letzten fünfzehn Jahren wurden fast 200 Gruben und Dolinen von dem dort abgelagerten Müll befreit. Diese in Zusammenarbeit mit den Kantonen organisierte Langzeitaktion trägt dazu bei, die Risiken für die Quellwasserqualität entlang der Jurakette und in den Voralpen deutlich zu reduzieren.

Zwischen etwa 1950 und 1985 war es üblich, dass Haushalts-, Industrie- und Landwirtschaftsabfälle in den natürlichen "Hohlräumen" der Kalksteinregionen abgelagert wurden. Die "Ältesten" bestätigen dies: Jede Vertiefung oder Höhle, die sich unweit eines Bauernhofes oder Dorfes befindet, diente als Aufbewahrungsort für Abfälle, von denen niemand wusste was damit anzufangen war.

So beendeten Kühlschränke, Mopeds, Autos, Batterien, Batterien, Fässer mit zweifelhaften und oft sehr umweltschädlichen Überresten, Müllsäcke, Reifen, verschiedene Motoren, Altmetalle aller Art und (ohne erschöpfend zu sein....) Veterinär- und Schlachtabfälle ihr Leben auf dem Boden von Dolinen oder Schächten.

Die von der Schweizerischen Gesellschaft für Höhlenforschung (SSS) erstellte Dokumentation weist darauf hin, dass mehrere hundert dieser ehemaligen Untertagedeponien in allen Karstgebieten der Schweiz vorhanden sind, d.h. in 20% des Schweizer Territoriums.

Nach dem Sprichwort "aus den Augen, aus dem Sinn" könnte man davon ausgehen, dass das Vorhandensein dieser zahlreichen Deponien inmitten der Natur am Ende keine besonderen Probleme aufwirft. Da irren wir uns: Die Auswirkungen dieser wilden Deponien auf die Umwelt sind erheblich und anhaltend. Wasser fließt direkt auf den Abfall und die manchmal giftigen Bestandteile (Schwermetalle, Chemikalien, Kohlenwasserstoffe,....) beeinträchtigen danach die Qualität des Trinkwassers.

Im Jahr 2004 beschloss das ISSKA daher, landesweit Maßnahmen zu ergreifen, um möglichst viele dieser Bedrohungen für die Umwelt zu beseitigen. Infolgedessen wurden fast 200 Dolinen und Schächte von giftigen Abfällen , die sie verstopften befreit. An dieser Arbeit waren rund sechzig Gemeinden aus verschiedenen Regionen der Westschweiz beteiligt: der Berner Jura, die Freiberge, der Neuenburger Jura, der ganze Waadtländer Jura, die Waadländer Voralpen und das Zentralwallis.

Im Waadtländer Jura wurden auch mehrere Dutzend Höhlenschächte und Dolinen gereinigt, wie z.B. in der Gemeinde Provence, aus deren Boden mehrere hundert Kubikmeter Altmüll gewonnen wurden.

In enger Zusammenarbeit mit den kantonalen Behörden wurde auch in der Region der Freiberge eine grosse Aufräumaktion durchgeführt, bei der 750 m3 Müll aller Art (inkl. Fahrzeuge etc.) aus Dolinen gesammelt wurden, die sich teilweise in Gebieten des Bundesinventars der Landschaften, Stätten und Naturdenkmäler (IFP) befanden.

Im Wallis sind die 80 m3 Abfälle aus Rissen zwischen Ayent und dem Staudamm Tseuzier in einer Wasserschutzzone zu erwähnen. Im Neuenburger Jura wurden kürzlich fast 60 m3 Schrott und ebenso viel mit Kohlenwasserstoffen verunreinigter Boden aus Dolinen in einem Trinkwassereinzugsgebiet in der Stadt Le Locle evakuiert.

In diesem Jahr endete gerade eine 10-wöchige Kampagne im Berner Jura, bei der fast 350 m3 Müll aus vier Höhlen zwischen dem Chasseral und der Tramelaner Region gewonnen wurden.

Für diese Arbeiten verwendet das ISSKA Techniken, die sowohl aus dem Bauwesen als auch aus der Speläologie stammen. Um die Kosten für die öffentliche Hand zu begrenzen, stellt dieses Institut Zivilisten ein, die so konkret erleben können, was es bedeutet, die Ärmel hochzukrempeln und im Dienste von Gesellschaft und Natur zu handeln. Die Kosten für diese Sanierungsarbeiten werden vom Bund (über den OTAS-Fonds zur Sanierung von Altlasten), den Kantonen und den Gemeinden gemeinsam getragen. In einigen Fällen können sich auch private Stiftungen an den Kosten beteiligen.

Diese Reinigungsarbeiten ermöglichen zwar die Beseitigung von Verschmutzungsquellen, dienen aber auch indirekt dazu, die Öffentlichkeit dafür zu sensibilisieren, dass Abfälle von nun an über die eingerichteten Kanäle recycelt werden müssen; Möglichkeiten, die zum Zeitpunkt der unkontrollierten Entsorgung noch fehlten.

Das ISSKA wird seine Arbeit in den kommenden Jahren fortsetzen, da es leider in mehreren Regionen des Landes immer noch viele Schächte und Spalten gibt,  die noch verschmutzt sind. Zu diesem Zweck ist der Aufbau von Partnerschaften mit den kantonalen Behörden wünschenswert. 

Parallel zu diesen Rekultivierungen arbeitet das ISSKA an der Erhaltung der Dolinen (natürliche kreisförmige Vertiefungen, die für Kalksteinregionen typisch sind). Tatsächlich hängt eine neue Bedrohung über diesen besonderen geologischen Formen: ihre Auffüllung mit inerten Materialien für die Bedürfnisse der modernen Landwirtschaft. Während die Abflachung des Bodens die Bedingungen für die Futterernte verbessert, stellt diese Veränderung der Naturlandschaft neue Risiken dar, wie z.B. die Störung des Abflusses des Regenwassers im Boden oder die Erhöhung der Bodeninstabilität.

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